Verwaltungsgebäude am Altmarkt

KUEHN MALVEZZI

Verwaltungsgebäude am Altmarkt

Herausragend Grün

Jobcenter, Dachgewächshaus und vertikaler Garten – das Verwaltungsgebäude am Altmarkt in Oberhausen verbindet alle drei Funktionen über eine Fassade aus Backstein und offener Stahlstruktur.

Verwaltungsgebäude am Altmarkt

 

Erstmalig entstand in Deutschland ein Haus, das so verschiedene Funktionen wie ein Jobcenter mit einem darüber situierten Dachgewächshaus zusammenführt, in dem gebäudeintegrierte Landwirtschaft realisiert und erforscht wird. Der Entwurf fügt den beiden Nutzungen ein drittes Element hinzu, das über das geforderte Programm hinausgeht: Ein öffentlich zugänglicher vertikaler Garten sorgt dafür, dass das hoch über der Stadt gelegene Gewächshaus zugleich eng mit dieser verbunden ist.

Der Baukörper fügt sich selbstbewusst, aber unaufgeregt in das historische Stadtbild ein. Als neuer Akteur tritt er dem Ensemble öffentlicher Bauten bei, die mit ihren markanten Ziegelfassaden die Protagonisten im Stadtbild Oberhausens bilden. Zu ihnen gehören das Rathaus (Ludwig Freitag, 1928) oder auch das ehemalige Hauptlagerhaus der Gutehoffnungshütte von Peter Behrens (1925). Ihren zeitgenössischen Twist erhält die Ziegelfassade, indem sie sich bewusst als Kleid zu erkennen gibt, statt den Eindruck einer massiven Konstruktion zu erwecken: Das visuelle Erscheinungsbild des Stapelverbandes ist atektonisch.

Die Spezifik des stadträumlich bedeutenden Ortes am Altmarkt resultiert aus dem Spannungsverhältnis von Körperhaftigkeit des Backsteinbaus und filigraner Leichtigkeit des Gewächshauses auf dem Dach. Aus der Regelmäßigkeit seiner Struktur bildet das Gewächshaus zu den drei Straßenseiten einen jeweils eigenen Abschluss, der auf den Kontext sensibel reagiert.

Die bisher in Machbarkeitsstudien untersuchte und hier erstmals realisierte haustechnische Integration des Dachgewächshauses bedeutet, dass die verschiedenen Nutzungen voneinander profitieren: Die Abluft aus dem Bürogebäude etwa wird in das Gewächshaus geleitet, wo Abwärme und CO2-Gehalt unter anderem das Pflanzenwachstum fördern können. Regenwasser, das auf den Dächern anfällt, wird in einer Zisterne gesammelt und zum Gießen der Pflanzen verwendet.

Die drei Elemente Bürohaus, Gewächshaus und vertikaler Garten sind in ihrer Gliederung modular auf-einander bezogen. Eine Struktur aus verzinktem Stahl nimmt das Grundmaß auf und variiert es in unterschiedlichen Bauteilen: vertikal als Teilung der Bürofenster, der gläsernen Gewächshauswand sowie des offenen Rankgerüstes; horizontal setzen sich die Plattformen des Gerüsts geschossweise in den umlaufenden Fenstersimsen fort.

Raumhohe Fenster und eine strukturelle Klarheit geben den Räumen im Inneren ihre Großzügigkeit. Kontrastierend zum Fassadenkleid aus Klinkern, ist das Hallenfoyer im Erdgeschoss als sichtbarer Rohbau konzipiert. Die Warehouse-Typologie des Bauwerks ist nachhaltig im Sinne der nutzungsflexiblen Anpassungsfähigkeit an mögliche zukünftige Entwicklungen der Stadt.

Der vertikale Garten ist das räumlich erfahrbare Bindeglied zwischen dem traditionellen Altmarkt – auf dem an sechs Tagen der Woche ein Markt stattfindet – und dem Dachgewächshaus als Ort der landwirtschaftlichen Produktion. Die Grundstruktur des Grünraums besteht aus einem offenen Stahlgerüst.

 

KUEHN MALVEZZI

Ort
Oberhausen, Deutschland
Bauherr
OGM – Oberhausener Gebäudemanagement GmbH
Architektenprofil
Grundstückfläche
2.069 m²
Bebaute Fläche
1.578 m²
Nutzungsfläche
8.207 m²
Umbauter Raum
39.513 m³
Bauzeit
2017 – 2019
Baukosten
23 Mio. EUR